Wenn Trauerbegleitung am Geld scheitert

Ich bin wütend, sehr wütend und deshalb hoffe ich, dass dieser Beitrag nicht missverstanden wird. Doch was ich kürzlich erlebte, raubt mir den Glauben an Gerechtigkeit und Solidarität. Doch eins nach dem anderen.

Eine Mitarbeiterin einer Familien WG, wo Kinder und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Gründen (Waisenkinder, Kinder aus zerrütteten Familien etc.) untergebracht sind kontaktierte mich und bat um entsprechende Hilfe. Es leben in dieser Wohngemeinschaft noch zwei junge Mädchen (17 und 19 Jahre). Urplötzlich und unerwartet verstarb die Leiterin der Wohngemeinschaft. Das 17-jährige Mädchen fand die Betreuerin, die seit 14 Jahren (als 3-Jährige in die Einrichtung gekommen) ihre „Mutter“ ist, leblos auf dem Boden. Sie hatte einen Herzstillstand.

Ich vereinbarte ein Erstgespräch mit der Mitarbeiterin und den zwei Jugendlichen. Sie erzählten mir unter Tränen, was an dem vergangenen Sonntag passiert war. Wir waren uns sehr schnell einig, dass hier eine qualifizierte Trauerbegleitung, vor allem für das 17-jährige Mädchen, nötig sei. Also vereinbarten wir einen Termin für die erste Trauerbegleitung. Einen Tag später rief mich die entsprechende Mitarbeiterin an und sagte den Termin ab. Dem Träger der Einrichtung, eine kirchliche Organisation der Kinder- und Jugendhilfe, sind die Kosten für eine Trauerbegleitung zu hoch. Hierbei handelt es sich um einen Betrag von 60,00 € pro Stunde. Solch ein Betrag ist im Budget der Einrichtung nicht vorgesehen, also einfach zu teuer.

Zu erwähnen ist, dass das 17-jährige Mädchen ein furchtbares Erlebnis hatte und mit dem Verlust in keinster Weise alleine fertig wird. Beide Mädchen leben seit dem Tod der „Mutter“ alleine in dieser Familien-WG. Sie müssen nun sehen wie sie mit dem Verlust fertig werden. Was mich hierbei so wütend macht, sind die nachfolgenden Zahlen.

Im Jahr 2015 hat die evangelische Kirche zusätzlich 25 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe in Deutschland ausgegeben. Viele weitere Millionen wurden im Jahr 2016 zur Verfügung gestellt. Ich will hier nicht weiter lamentieren, doch Verständnis für das Verhalten im Falle der Familien-WG habe ich nicht.

Es ist, meiner Meinung nach, eine Schande, dass in Krisensituationen monatlich 240,00 Euro für eine Trauerbegleitung nicht ins Budget passen. Nach welchen Kriterien werden Gelder vom Staat und den Kirchen verteilt? Weiß jemand mehr? Ich wiederhole nochmals: Bitte den vorletzten Absatz nicht falsch verstehen. Ich bin kein Populist, ich bin nicht politisch aktiv. Und gerade deshalb verstehe ich die oben genannten Zahlen wohl nicht. Bin ich zu blöd?

 

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