Der letzte Gang – ein schmerzhafter Weg

Vor ein paar Tagen musste auch ich diesen letzten Gang zugunsten einer guten Bekannten gehen. Besonders beschwerlich ist der Weg von der Leichenhalle zum offenen Grab. Wir laufen versteinert hinter dem Sarg her und denken an die vergangene Zeit. An die Zeit als das Leben noch jung und frisch war. Und nun? Ja nun ist diese Zeit vorbei und wir nehmen Abschied.

Wenn die Trauer nicht bereits vorher eingesetzt hat, wie es zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung eines lieben Menschen ist, dann beginnt hier auf dem Weg zum offenen  Grab die Trauer mit Sicherheit.

Der letzte Gang ist nicht nur ein schmerzhafter Weg, er ist auch ein Weg für einen „Neuanfang.“ Ja, Neuanfang. Doch für wen? Für die Hinterbliebenen wird es einen neuen Lebensabschnitt geben. Ob dies als Neuanfang bezeichnet werden kann, sei dahingestellt. Ich würde es jedoch als einen neuen Lebensabschnitt sehen. Hierbei kommt es natürlich auch auf das Verhältnis zum Verstorbenen/zur Verstorbenen an.

In vielen Gesprächen mit Trauernden habe ich festgestellt, dass dieser letzte Gang noch lange sehr präsent bleibt. Tage, Wochen, vielleicht auch ein paar Monate vergehen, bis dieser letzte Gang verarbeitet wurde. Auch das ist Trauerbewältigung. Hinterbliebene sollten sich dieser Trauer stellen und den letzten Weg immer vor Augen haben. Wir dürfen nie vergessen, dass Sterben und Tod unausweichliche Momente sind und wir müssen uns diesen Momenten stellen. Es gibt keinen anderen Weg.

Wer es nicht schafft, sich diesen Themen zu stellen und nach einem Verlust kein Licht mehr am Horizont sieht, der sollte ernsthaft über eine qualifizierte Trauerbegleitung nachdenken.