Alle Beiträge von Meine Trauer

Mein Name ist Harald Adam, ich bin Jahrgang 1953, verheiratet und habe drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Seit 1982 bin ich als Krankenpfleger in der Psychiatrie tätig und arbeite nun hauptberuflich als therapeutischer Mitarbeiter auf einer offenen psychiatrischen Station, mit dem Schwerpunkt Depressionen und Persönlichkeitsstörungen. Nebenberuflich arbeite ich als freiberuflicher Texter und Trauerbegleiter. Meine Hobbys sind die buddhistische Philosophie und Reisen. Ehrenamtlich bin ich Mitglied im ambulanten Hospiz Oberhausen.

Trauernde – was tut ihnen gut?

Trauernde fallen nach einem Sterbefall in ein tiefes Loch. Mitmenschen, wie Familienangehörige, Freunde, Arbeitskollegen etc., sind hilflos und stellen sich die Frage: „Wie kann ich diesem Menschen helfen?“ Wer sich näher mit dem Thema Trauer beschäftigt, wird feststellen, dass oftmals Kleinigkeiten genügen, um Trauernden beizustehen.

Trauernde benötigen Zuspruch

Besonders am Anfang der Trauerphase genügt es, für die/den Trauernde/n da zu sein. Es bedarf nicht vieler Worte, um ihnen beizustehen. Einfach Dasein, trösten und zuhöTrauernderen reichen oftmals aus, um einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Trauernde müssen erkennen, dass sie nicht alleine mit ihrer Trauer sind. Selbst wenn sich die Themen immer wieder wiederholen, sollte auf keinen Fall Desinteresse zum Ausdruck gebracht werden. Sätze wie: „Nun ist aber mal gut, irgendwann musst Du an Dein eigenes Leben denken“, sollten auf jeden Fall vermieden werden. Durch solche nichtssagenden Worte oder Sätze fühlen sich Trauernde nicht verstanden. Sie werden sich spätestens dann verkriechen, um nicht mehr über ihre Trauer sprechen zu müssen.

Beileid ist kein Mitleid

Wer einen schmerzhaften Verlust erlitten hat, benötigt Unterstützung von außen. Vor allem Angehörige, Freunde und Arbeitskollegen können hier hilfreiche Dienste leisten. Mitleid wird meist negativ bewertet, obwohl „Mitleid“ mitleiden bedeutet. Deshalb sollten wir hier den Begriff Beileid verwenden. Versuchen Sie mit Worten zu trösten, die trauernden Hoffnung geben. Anstatt die Floskel „Zeit heilt alle Wunden“ zu verwenden, sollte gesagt werden: „Deine Trauer wird bleiben, doch Dein Schmerz wird geringer.“ Mit solchen Worten und Sätzen können Trauernde umgehen. Sie fühlen sich verstanden und werden sich auch gesprächsbereiter zeigen.

Tipps für den Umgang mit Trauernden 

Nachstehend einige Tipps, die ein Gespräch mit Trauernden vereinfachen:

  • Gesprächsbereitschaft zeigen – Nachfragen
  • über den Tod sprechen
  • Geschenke als Mitbringsel sind nicht nötig
  • Dasein
  • Hektik vermeiden
  • keine Vergleiche ziehen („Das habe ich auch schon mitgemacht!“)
  • Zuhören und Nachfragen

Wenn diese Tipps befolgt werden, besteht die Chance der Kommunikation. Die Philosophie der Trauer hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten.

 

 

Trauer aus philosopohischer Sicht

Das Sterben, der Tod und die Trauer sind Themen, die von vielen Menschen verdrängt werden. Doch jeder wird irgendwann sterben und jeder wird in irgendeiner Art und Weise mit Trauer konfrontiert. Spätestens dann stellt sich die Sinnfrage. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Sinn des Sterbens und auch nach dem Sinn der Trauer. In der Trauerbegleitung habe ich einen Ansatz gefunden, der das Trauern erleichtert. Solch ein Ansatz ist die Trauerphilosophie. Denn nur wer sich intensiv mit diesen nicht gerade beliebten Themen auseinandersetzt, kann eine gesunde Trauer durchleben.

Trauerphilosophie kann auch  Bewältigungsstrategie

Die Philosophie kann eine sehr gute Trauerbewältigungsstrategie sein.  Besonders Menschen, die keinem Glauben angehören, betrachten das Sterben und den Tod oftmals als sinnlos. Und gerade

für diese Menschen kann die Philosophie eine echte Hilfe darstellen. Die Trauerphilosophie fungiert hier als Bewältigungsstrategie, dies zeigen zahlreiche Vergleiche mit trauernden Nichtgläubigen. Doch auch religiöse Menschen finden in der Philosophie einen gewissen Halt und eine gewisse Zuversicht. Wenn Sie nun zweifeln und weiterhin nach dem Sinn suchen, dann lassen Sie sich auf die Philosophie der Trauer ein.

Auch die Trauer hat seinen Sinn

Auch wenn Sie es nicht für möglich halten, so sollten Sie den Versuch wagen, Trauer als Ganzes zu akzeptieren. Alles hat seinen Sinn: das Leben, das Sterben, der Tod und eben auch die Trauer. Sogar die Sinnlosigkeit hat seinen Sinn. Und wenn Sie nun alles für sinnlos halten, dann hat auch dies seinen Sinn. Wichtig ist, dass Sie über diese Dinge nachdenken. Das Denken ist ein großes Plus der Menschheit und  wir sollten es nutzen, solange wir auf diesem Planeten verweilen. Denn Menschen, die denken, sind in der Lage Veränderungen herbeizuführen.

 

Trauer damals und heute

Trauer im Wandel der Zeit ist heute mehr denn je ein Thema. Gleichzeitig stellen wir dadurch fest, dass sich auch die Trauerprozesse verändern. Doch was hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert?

Trauer im Wandel – auch in der Öffentlichkeit

Auf Friedhöfen können wir feststellen, dass es immer mehr Urnengräber, aber auch anonyme Gräber gibt. Allein dies spiegelt unsere Trauerkultur wider. Die klassischen Formen der Erinnerung gehen verloren, beziehungsweise verlieren immer mehr an Bedeutung. Es bleibt keine Zeit zum Trauern. Und wer an seinem Arbeitsplatz schwarz gekleidet auftaucht, wird verwunderte Blicke ernten. Trauer in Form einer schwarzen Kleidung ist nicht mehr zeitgemäß. Dies sollte jedoch keinen davon abhalten, an alten Traditionen festzuhalten. Jede Trauer ist individuell und jede/r Trauernde sollte an seinem eigenen Trauerprozess festhalten.

Unsere Trauerkultur befindet sich im Wandel

Es ist zu beobachten, dass immer mehr Menschen online trauern. Durch die Digitalisierung ist auch das Internet ein Mittel, Trauer auszudrücken und zu übermitteln. Doch was sagt uns dieses Trauern

im Internet? Es ist ein Zeichen, dass Menschen keine direkten Ansprechpartner mehr haben. Jeder kümmert sich nur noch um sich, es bleibt kein Platz für Anteilnahme und Empathie. Doch diese Form der Trauer kann Angst machen, Trauerrituale haben ihren Platz im Leben verloren. Meine Meinung hierzu ist: Ohne Trauerrituale und ohne eine adäquate Trauerbewältigung kann kein Trauerprozess seinen Abschluss finden.

Trauer im Wandel – na und?

Auch wenn sich die Trauerkultur verändert hat, sollten wir nicht unbedingt diese Veränderung mitmachen. Wir alleine entscheiden, wie unsere Trauer auszusehen hat und niemand sonst. Dies sollten wir uns  immer vor Augen führen. Jeder sollte seine Trauer durchleben, so wie er es für richtig hält. Alles andere ist ungesund.

 

Im Krankenhaus oder Altenheim vereinsamen – einfach nur schrecklich

Wer heutzutage in einem Altenheim oder Krankenhaus stirbt, hat Glück, wenn emphatische Pflegepersonen vor Ort sind. Ansonsten, ja dieses ansonsten möchte ich nicht aussprechen. Im schlimmsten Fall „verreckt“ man dort, ohne dass es jemand merkt. Das hört sich hart an, aber es ist vielfach so.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zum Beispiel in Altenheimen/Pflegeheimen in der Nacht eine Pflegekraft für 40 Patienten, über 2 Etagen verteilt, zuständig ist. Dies gilt zwar nicht für alle Einrichtungen, doch sehr viele Altenheime leiden unter einem akuten Personalmangel. Acht Stunden Treppe rauf, Treppe runter, Windeln wechseln und demente Bewohner in ihr Zimmer zurückbringen. Dies sind nur einige Aufgaben, die Nacht für Nacht anfallen. Doch nicht nur die reine Pflege kommt zu kurz. Auch das Gespräch, vor allem mit dementen Bewohnern, fehlt. Die Zeit dazu ist einfach nicht da. Und wer in einem Krankenhaus stirbt, kann froh

sein, wenn er rechtzeitig gefunden wird. Auch hier gab es bereits große Missstände. Die persönliche Betreuung in einem Krankenhaus ist, meiner Meinung nach, noch negativer einzuschätzen. Persönliche Ansprache ist kaum möglich. Die Patienten/Patientinnen werden nach der Uhr gepflegt, denn es muss ja schließlich alles seine „Ordnung“ haben.

Unsere Politiker schwingen hier immer große Reden, sprechen von einer emphatischen Pflege. Die Empathie steht nur auf dem Papier, das Zauberwort heißt hier „Qualitätsmanagement“. Ich lach mich tot. Als Krankenpfleger in der Psychiatrie weiß ich, wovon ich spreche.

Unser Gesundheitssystem ist kaputt und es wird schlimmer. In der Psychiatrie arbeiten zum Beispiel sehr viele Ärzte, die noch nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen. Wie sollen die sich mit dementen Patienten unterhalten? Ich lach mich noch mal tot!

Das Leben verstehen lernen

Viele Menschen leben so, als wären sie unsterblich. Krankheit, Tod und Trauer werden verdrängt. Sie passen nicht in unseren hektischen Alltag. Doch wir werden alle sterben und sollten nicht nur Leben, wir sollten auch lernen, das Leben zu verstehen.

Doch wie kann das Leben verstanden werden? Jeder hat vom Leben seine eigene Vorstellung. Die einen Leben, um zu arbeiten. Andere Arbeiten, um zu leben. Es gilt, einen goldenen Mittelweg zu finden. Das Leben ist vielseitig, gefährlich, langweilig, explosiv und zeitweise auch sehr anstrengend.

Wer sich über sein Leben Gedanken macht, muss auch das Sterben, den Tod und die Trauer einkalkulieren. Wer bin ich? Woher komme ich? Woher kommt das Ganze? Was ist Leben überhaupt? All dies sind philosophische Fragen, die nach einer Antwort suchen. Wer sich über solche Themen Gedanken macht, ist schon ein gutes Stück weiter.

Nur mit der Auseinandersetzung des eigenen Lebens kann das Leben im Ganzen verstanden werden. Dieses eine Leben kommt nicht wieder. Selbst wer an die Wiedergeburt glaubt, wird im nächsten Leben ein anderer sein. Deshalb ist es wichtig, das Leben jetzt zu verstehen. Denn irgendwann wird es zu spät dazu sein.

Buddha sagte: „Leben ist leiden.“ Ich sage: „Leben ist leiden und Lernen zugleich.“ Denn nur aus dem Leid kommt die Erkenntnis. Das Leid bietet eine Chance, über sich und das eigene Leben nachzudenken. Wer mit dem Leid richtig umgeht, wird verstärkt aus diesem hervorgehen. Ob wir das Leben jemals im Ganzen verstehen werden, ist fraglich. Wir sollten es jedoch versuchen, um am Ende glücklich zu sein. Denn jeder Mensch will glücklich sein.

 

 

Wenn Trauer die Seele einfriert

Wer einen lieben Menschen verloren hat, leidet. Wer leidet, fühlt sich schlecht. Und wer sich schlecht fühlt, hat keine Lebensfreude mehr. Doch wie kann Lebensfreude aufkommen, wenn der Tod Einzug gehalten hat?

Trauer vergiftet die Seele. Doch die Seele vergiftet nur bei einer ungesunden Trauer. Wer sich seiner Trauer stellt und „gesund“ trauert, wird den Trauerprozess unbeschadet überstehen. Die Floskel „Das wird schon wieder“ hat auch einen positiven Ansatz. Wer sich seiner Trauer stellt, sie bearbeitet und verarbeitet, der kann dann sagen: „Es ist schon wieder.“

Trauernde dürfen sich nicht abschotten. Sie müssen sich nach einer gewissen Zeit der Trauer stellen. Nur dann kann das Leben wieder einen Sinn bekommen. Wer keine Bezugspersonen oder Verwandte hat, die ihn unterstützen, benötigen eventuell einen Menschen, der ihnen in dieser schweren Zeit beisteht. Hier kann ein Trauerbegleiter eine wahre Hilfe sein.

Ein qualifizierter Trauerbegleiter kann dafür sorgen, dass die Seele nicht einfriert. Durch eine individuelle Gesprächstherapie kann der Trauerprozess bearbeitet, verarbeitet und bewältigt werden. Wir

dürfen nicht vergessen, dass Trauer ein ganz normaler Prozess ist und nicht nur im Todesfall auftritt. Arbeitslosigkeit, Scheidung oder eine schwere Erkrankung kann Trauer auslösen.

Also Ihr lieben Trauernden. Öffnet Euer Herz, öffnet Eure Seele. Lasst Euch helfen, damit am Ende das Leben wieder einen Sinn bekommt. In diesem Sinne: „Alles Gute.“

Meine Leben vor meinem Leben

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind meine Gedanken zum jetzigen Leben. Habe ich schon einmal gelebt? Oder sogar schon öfters? Was war vor meinem jetzigen Leben? Wo komme ich her und wo gehe ich hin? All dies sind Fragen, die mich schon seit Jahrzehnten begleiten. Doch Antworten auf diese Fragen habe ich nie erhalten und werde sie auch nicht erhalten. Somit muss ich mir mein eigenes Weltbild machen, um mit dem jetzigen Leben abschließen zu können. Ja richtig, Ihr habt richtig gelesen, ich möchte einen Abschluss finden. Einen Abschluss zu dem Hier und Jetzt, um mich auf das nächste Leben freuen zu können.

Ich denke, dass der Glaube an die Wiedergeburt ein sehr guter Glaube ist. Durch die buddhistische Philosophie finde ich einen Sinn in meinem Leben. Dieses Leben ist nur eine Zwischenstation. Eine Zwischenstation zu den weiteren Leben, die mir noch bevorstehen. Denn ich glaube nicht, dass ich ins Nirwana übergehen kann. Dazu habe ich zu viele „Sünden“ begangen.

Wer hatte nicht schon mal das Gefühl, gelebt zu haben? Eine fremde Person kommt einem bekannt vor oder ein völlig fremder Ort (im Urlaub zum Beispiel) vermittelt einem das Gefühl, schon mal da gewesen zu sein. Solche Erlebnisse sind schon vielfach vorgekommen und auch ich habe das Gefühl schon mal gelebt zu haben. Wie dem auch sei. Wer an die Wiedergeburt glaubt, kann es im Sterbeprozess leichter haben.

Mein jetziges Leben ist ein weiterer Prüfstein zu meinen weiteren Leben. Dadurch habe ich die Chance im nächsten Leben einiges gut zu machen, was in diesem Leben nicht so gut lief.

 

Ich freue mich auf das nächste Leben

Die Aussage „Ich freue mich auf das nächste Leben“ gilt nicht für jeden. Buddhisten glauben an die Wiedergeburt, so auch ich. Ziel ist jedoch nicht die Wiedergeburt, sondern den Kreislauf der Wiedergeburten zu beenden, um friedvoll den Zustand der Vollkommenheit (Nirwana) zu erreichen.

Das Nirwana ist für Hindus und Buddhisten ein Zustand der Vollkommenheit, das Paradies. In ihm gibt es kein Gut und kein Böse, keine Trauer, keine Wut, kein Leid, aber auch kein Glück und keine Liebe, die das Herz höher hüpfen lässt. Die Seele befindet sich völlig im Gleichgewicht. Sie ist von allen Gedanken und Gefühlen befreit und damit auch von der ewigen Wiedergeburt.

Viele Buddhisten wünschen sich nichts sehnlicher, als das Nirwana zu erreichen. Sie sehen im Leben vor allem das große Leid, das sie mit jeder Wiedergeburt aufs Neue ertragen müssen. Buddhisten glauben, dass nur die Erkenntnis aller Dinge sie vom Leid befreien und sie ins Nirwana führen kann. Der richtige Weg zur Erleuchtung ist für sie der „Edle achtfache Pfad“. Aber auch er ist mühsam und oft unvorstellbar lang, denn nach dem Glauben der Buddhisten kann ein Mensch bis zu 500 Mal wiedergeboren werden.

Da ich mit Sicherheit das Nirwana noch nicht erreichen werde, ist mir klar. Dazu reichen meine Taten noch nicht aus. Und deshalb freue ich mich auf meine Wiedergeburt, damit ich weiterhin an mich arbeiten kann. Das Leben ist zwar anstrengend, aber auch spannend. Und die Aussicht im nächsten Leben einiges besser machen zu können, macht Mut.

All diese Gedanken lösen in mir eine Freude auf. Ich habe keine Angst vor dem Tod, da ich ja wiederkommen werde. Sicher, es ist traurig liebe Mitmenschen zunächst verlassen zu müssen. Doch wer weiß, vielleicht sehe ich ja einige irgendwann mal wieder. Auch das macht mir Mut. Deshalb freue ich mich auf das nächste Leben!

Ganz liebe Grüße sagt Euch allen Harald A.

 

Der Tod und ich …. …

Der Tod und ich sind eins. Was soll diese Aussage bedeuten? Diese Aussage können am besten Sterbende beantworten, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben, sie warten auf den Tod. Ja, es gibt Sterbende, die sich mit dem Tod arrangieren, die eins sind mit dem Tod. Doch wie kann solch eine Haltung erworben werden? Viele Sterbende hängen am Leben und möchten diese Erde nicht verlassen. Das sind dann diejenigen, die sich nie mit den Themen des Sterbens und des Todes auseinandergesetzt haben. Sie leiden und sind voller Aggression, voller Wut. Doch wer so stirbt, leidet.

Wenn wir am Lebensende mit uns und unserer Umwelt einig sind, können wir dem Tod lächelnd entgegensehen. Dies setzt jedoch voraus, dass wir uns schon in der Mitte unseres Lebens mit diesen Themen auseinandergesetzt haben. Wir müssen uns dem Sterben und dem Tod stellen. Gläubige Menschen haben es da einfacher, als die, die an nichts glauben.

All diese Theorien funktionieren jedoch nur, wenn die Lebensuhr dem Alter entsprechend abläuft. Wer einen schweren Unfall hatte und im Koma liegt, kann natürlich dem Tod nicht lächelnd entgegensehen. Hier wird jedoch das Unterbewusstsein reagieren. Alles, was in jüngeren Jahren gedanklich aufgenommen wurde, wird am Lebensende, auch im Koma, präsent. Was komatöse Menschen erleben, wissen wir nicht. Es ist jedoch bekannt, dass selbst Menschen im Koma eine Menge von ihrer Umwelt mitbekommen.

Lasst uns dem Tod gelassen ins Auge sehen, denn er gehört zum Leben. Wir werden sterben, das ist allen klar. Deshalb müssen wir mit dem Tod eins sein, damit am Ende ein Friede zwischen dem Leben und dem Tod herrscht. Ich wünsche Euch allen ein gutes Gelingen, mit dem Sterben und dem Tod.

 

 

Trauern ist erlernbar

Wenn wir einen Verlust erlitten haben, reagieren wir mit Trauer. Meist wird die Trauer durch den Verlust eines lieben Menschen oder Tieres ausgelöst. Doch auch andere Schicksalsschläge verursachen Trauer. Denken wir hier nur mal Trennung, Scheidung, an den Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit. All diese Schicksalsschläge  verursachen ein Gefühl von Trauer. Und jeder Einzelne geht mit diesem Gefühl völlig anders um. Warum? Weil wir das Trauern schon als Kind lernen oder eben nicht lernen. Wer es nicht gelernt hat, wird nie gesund trauern. Und wer nicht gesund trauert, wird krank. Doch auch das Trauern ist im späteren Alter noch erlernbar. Wir müssen uns dieses krankhafte Trauern einfach erkennen und gewillt sein umzudenken und umzulernen. Dann wird Trauer ein ganz normaler Prozess, der gesund ablaufen kann.

Ein Leben ohne Schicksalsschläge, Enttäuschung, Schmerz, Traurigkeit oder Trauer gibt es kaum. Oft verbirgt sich in ihnen die Chance zur Veränderung und Entwicklung. Dennoch können Belastung, Schmerz und schwere Gefühle belasten, blockieren und den Mut zum Weitergehen rauben. Durch unsere individuelle, verständnisvolle und einfühlsame Unterstützung und Arbeitsweise finden Menschen zu ihren Ressourcen, zu neuer Kraft. Dies führt zu frischer Motivation, Zuversicht und stärkt die Lebensqualität.

Wenn ein Mensch nicht trauern kann, hält er am Vorzustand fest. Manche Menschen retten sich in die Illusion der vergangenen Wahrheiten, aber sie bleiben wie angenagelt in ihrer Lebensentwicklung stehen. Sie können Kummer und Verzweiflung nicht als Weg erkennen, jede Ermutigung wird als “niemand versteht mich” empfunden, letztlich führt das in die Einsamkeit, und am Ende dieses destruktiven Prozesses entsteht eine Art von Taubheit dem Leben gegenüber.

Trauer im Wandel – auch in der Öffentlichkeit

Trauer im Wandel der Zeit ist heute mehr denn je ein Thema. Gleichzeitig stellen wir dadurch fest, dass sich auch die Trauerprozesse verändern. Doch was hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert? Auf unseren Friedhöfen befinden sich immer mehr Urnengräber und anonyme Gräber. Allein diese Tatsache spiegelt unsere Trauerkultur wider. Die klassischen Formen der Erinnerung gehen verloren und verlieren immer mehr an Bedeutung. Und wenn der oder die Verstorbene beigesetzt wurde, holt uns der Alltag schnell wieder ein. Es bleibt keine Zeit zum Trauern. Und wer an seinem Arbeitsplatz schwarz gekleidet auftaucht, wird verwunderte Blicke ernten. Trauer in Form einer schwarzen Kleidung ist nicht mehr zeitgemäß. Dies sollte jedoch keinen davon abhalten, an alten Traditionen festzuhalten. Jede Trauer ist individuell und jede/r Trauernde sollte an seiner eigenen Trauerkultur festhalten.

Auch unsere Trauerkultur befindet sich im Wandel

Es ist auch zu beobachten, dass immer mehr Menschen im Netz trauern. Doch was sagt uns dieses Trauern im Internet? Es sagt uns, dass Menschen keine direkten Ansprechpartner mehr haben. Jeder ist um sein eigenes Wohlergehen bemüht, da bleibt kein Platz für Anteilnahme und Empathie. Diese Form der Trauer macht mir Angst, da bestimmte Trauerrituale ihren Platz im Leben verloren haben. Meine Meinung hierzu ist: Ohne Trauerrituale und ohne eine adäquate Trauerbewältigung kann kein Trauerprozess seinen Abschluss finden.

Trauer im Wandel – na und?

Auch wenn sich die Trauerkultur verändert hat, sollten wir nicht unbedingt diese Veränderung mitmachen. Jeder für sich alleine entscheidet, wie die eigene Trauer auszusehen hat und niemand sonst. Wir sollten unserer Trauer so durchleben, wie wir es für richtig halten. Alles andere ist ungesund.

Die Trauer hilft zu einem Prozess des Abschieds, an dessen Ende ein neuer Friede steht, eine neue Basis zu Gestaltung des Lebens. Dieser Vorgang ist häufig genauso nützlich wie ungeliebt. Unser persönliches Leben ist mit dem Kontrollverlust konfrontiert, und verknüpft sich bei vielen Menschen mit Schuldgefühlen. Auf diese Weise überwiegt in der Nachbeurteilung ein unwohles Empfinden, anstatt zu sehen, was aus der neuen Basis geworden ist. Wir erleben die Trauer nur noch bewusst, wenn sie so intensiv ist, dass sie sich über unseren Willen einfach hinwegsetzt.