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Trauer aus philosophischer Sicht

Trauer ist komplex und geht mit einem langwierigen Verarbeitungsprozess einher. Während einer Trauerphase werden die unterschiedlichsten Gefühle verarbeitet. Jeder Trauernde verarbeitet seine Gefühle auf unterschiedliche Art und Weise. Jede Verarbeitung ist einzigartig und legitim, es gibt hier kein falsch und kein richtig.

In meinen Trauerbegleitungen bringe ich gern philosophische Thesen ein. Die Philosophie als Bewältigungsstrategie ist eine sehr gute und hilfreiche Strategie. Die unterschiedlichsten Philosophen der Geschichte leisten hierbei eine sehr gute Hilfestellung. Nehmen wir zum Beispiel Nietzsche, der gesagt hat: „Den Sinn unseres Lebens müssen wir finden.“ Doch danach stellt sich die Frage: „Was ist der Sinn des Lebens?“

Die Religionen und Weltanschauungen, die Wissenschaften, die politischen Ideologien und die Philosophie stellen sich seit Jahrtausenden dieser Frage. Und aus philosophischer Sicht gibt es eine ganz simple Antwort, die Liebe. Wenn wir lieben, dann werden auch wir geliebt. Doch ist das so einfach?

Drei Zitate berühmter Persönlichkeiten finde ich besonders sinnig:

  • Ich höre auf zu leben, aber ich habe gelebt; so leb auch Du, mein Freund, gern und mit Lust, und scheue den Tod nicht.  (J. Wolfgang von Goethe)
  • Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiss, dass er das schlimmste aller Übel sei. (Sokrates)
  • Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. (Dietrich Bonhoeffer)

Um die Trauer und Trauerprozesse in seiner Ganzheit zu verstehen, müssen wir das Leben verstehen. Wir müssen das Sterben und den Tod akzeptieren. Nur dann können wir den Verlust „gesund“ verarbeiten. Wir haben keine andere Möglichkeit. Ein weiterer Beitrag zur Trauerphilosophie ist hier zu finden. 

 

Nur wer stirbt, hat gelebt

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, leiden seine Angehörigen, seine Freunde und viele andere Menschen, die den Verstorbenen kannten. Zunächst ist das Leid nicht zu fassen, die Trauer überwiegt, das Leben scheint stillzustehen. Erst nach einigen Wochen oder Monaten können positive Dinge zum Vorschein kommen.

Während einer Trauerphase ist es wichtig, die Trauer anzunehmen. Mithilfe einiger Trauerbewältigungsstrategien lässt sich dies verwirklichen. Wer es nicht alleine schafft, sollte sich an einen qualifizierten Trauerbegleiter wenden, der das Ganze leitet und lenkt. Der gesamte Trauerweg muss im Kopf bearbeitet werden. Zahlreiche Bewältigungsstrategien stehen hier zur Verfügung. Ihr werdet es nicht glauben, doch durch kognitive Prozesse lassen sich falsch erlernte Verhaltensweisen umlenken. Jeder Mensch lernt in der Kindheit und wer als Kind das Trauern nicht gelernt hat, der wird auch als Erwachsener keinen gesunden Trauerprozess durchlaufen.

Wie ich denke, so fühle ich. Und nur wer stirbt hat gelebt. Diese Gedankengänge müssen verinnerlicht werden, damit am Ende das Trauern seinen gesunden Abschluss findet.