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Trauern ist erlernbar

Wenn wir einen Verlust erlitten haben, reagieren wir mit Trauer. Meist wird die Trauer durch den Verlust eines lieben Menschen oder Tieres ausgelöst. Doch auch andere Schicksalsschläge verursachen Trauer. Denken wir hier nur mal Trennung, Scheidung, an den Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit. All diese Schicksalsschläge  verursachen ein Gefühl von Trauer. Und jeder Einzelne geht mit diesem Gefühl völlig anders um. Warum? Weil wir das Trauern schon als Kind lernen oder eben nicht lernen. Wer es nicht gelernt hat, wird nie gesund trauern. Und wer nicht gesund trauert, wird krank. Doch auch das Trauern ist im späteren Alter noch erlernbar. Wir müssen uns dieses krankhafte Trauern einfach erkennen und gewillt sein umzudenken und umzulernen. Dann wird Trauer ein ganz normaler Prozess, der gesund ablaufen kann.

Ein Leben ohne Schicksalsschläge, Enttäuschung, Schmerz, Traurigkeit oder Trauer gibt es kaum. Oft verbirgt sich in ihnen die Chance zur Veränderung und Entwicklung. Dennoch können Belastung, Schmerz und schwere Gefühle belasten, blockieren und den Mut zum Weitergehen rauben. Durch unsere individuelle, verständnisvolle und einfühlsame Unterstützung und Arbeitsweise finden Menschen zu ihren Ressourcen, zu neuer Kraft. Dies führt zu frischer Motivation, Zuversicht und stärkt die Lebensqualität.

Wenn ein Mensch nicht trauern kann, hält er am Vorzustand fest. Manche Menschen retten sich in die Illusion der vergangenen Wahrheiten, aber sie bleiben wie angenagelt in ihrer Lebensentwicklung stehen. Sie können Kummer und Verzweiflung nicht als Weg erkennen, jede Ermutigung wird als “niemand versteht mich” empfunden, letztlich führt das in die Einsamkeit, und am Ende dieses destruktiven Prozesses entsteht eine Art von Taubheit dem Leben gegenüber.

Trauer im Wandel – auch in der Öffentlichkeit

Trauer im Wandel der Zeit ist heute mehr denn je ein Thema. Gleichzeitig stellen wir dadurch fest, dass sich auch die Trauerprozesse verändern. Doch was hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert? Auf unseren Friedhöfen befinden sich immer mehr Urnengräber und anonyme Gräber. Allein diese Tatsache spiegelt unsere Trauerkultur wider. Die klassischen Formen der Erinnerung gehen verloren und verlieren immer mehr an Bedeutung. Und wenn der oder die Verstorbene beigesetzt wurde, holt uns der Alltag schnell wieder ein. Es bleibt keine Zeit zum Trauern. Und wer an seinem Arbeitsplatz schwarz gekleidet auftaucht, wird verwunderte Blicke ernten. Trauer in Form einer schwarzen Kleidung ist nicht mehr zeitgemäß. Dies sollte jedoch keinen davon abhalten, an alten Traditionen festzuhalten. Jede Trauer ist individuell und jede/r Trauernde sollte an seiner eigenen Trauerkultur festhalten.

Auch unsere Trauerkultur befindet sich im Wandel

Es ist auch zu beobachten, dass immer mehr Menschen im Netz trauern. Doch was sagt uns dieses Trauern im Internet? Es sagt uns, dass Menschen keine direkten Ansprechpartner mehr haben. Jeder ist um sein eigenes Wohlergehen bemüht, da bleibt kein Platz für Anteilnahme und Empathie. Diese Form der Trauer macht mir Angst, da bestimmte Trauerrituale ihren Platz im Leben verloren haben. Meine Meinung hierzu ist: Ohne Trauerrituale und ohne eine adäquate Trauerbewältigung kann kein Trauerprozess seinen Abschluss finden.

Trauer im Wandel – na und?

Auch wenn sich die Trauerkultur verändert hat, sollten wir nicht unbedingt diese Veränderung mitmachen. Jeder für sich alleine entscheidet, wie die eigene Trauer auszusehen hat und niemand sonst. Wir sollten unserer Trauer so durchleben, wie wir es für richtig halten. Alles andere ist ungesund.

Die Trauer hilft zu einem Prozess des Abschieds, an dessen Ende ein neuer Friede steht, eine neue Basis zu Gestaltung des Lebens. Dieser Vorgang ist häufig genauso nützlich wie ungeliebt. Unser persönliches Leben ist mit dem Kontrollverlust konfrontiert, und verknüpft sich bei vielen Menschen mit Schuldgefühlen. Auf diese Weise überwiegt in der Nachbeurteilung ein unwohles Empfinden, anstatt zu sehen, was aus der neuen Basis geworden ist. Wir erleben die Trauer nur noch bewusst, wenn sie so intensiv ist, dass sie sich über unseren Willen einfach hinwegsetzt.

 

Warum hast Du mich verlassen?

Warum hast Du mich verlassen, oder wie soll ich ohne Dich weiterleben? Diese Fragen beschäftigt Trauernde immer wieder, wenn ein lieber Mensch gegangen ist. Eine Antwort auf diese Fragen werden wir nicht erhalten. Als Trauerbegleiter habe ich diese Sätze schon mehrfach gehört und ich kann dann auch immer nur sagen: „Ich weiß es auch nicht, doch wir werden all diesen Fragen auf den Grund gehen.“

Besonders ältere Menschen leiden sehr stark, wenn der Partner oder Partnerin verstorben ist. Denkt hierbei nur mal an Eheleute die 50, 60 oder noch mehr Jahre zusammen waren. Eine weitere Gruppe, die diese Fragen immer wieder stellen, sind Trauernde die einen lieben Menschen durch Suizid verloren haben. Die quälenden Gedanken nehmen kein Ende und der Schmerz ist unfassbar groß. Weiterhin stehen trauernde Eltern, die ihr Kind verloren haben vor einer für sie unlösbaren Aufgabe. Es gibt noch weitere Beispiele, die ich hier jedoch nicht weiter ausführen möchten. Die sich immer wieder stellende Frage „Warum hast Du mich verlassen“ bleibt unbeantwortet.

Wir können diese Fragen jedoch in eine andere Richtung lenken. Hierbei muss sehr individuell vorgegangen werden und eine vorgegebene Richtschnur gibt es nicht. Wichtig ist, dass versucht wird, der ganzen Sache einen „Sinn“ zu geben.  Wenn das überhaupt geht. Ich bin jedoch der Meinung, dass alles seinen Sinn hat. Selbst die Sinnlosigkeit hat seinen Sinn. Doch dies wird jetzt zu philosophisch. Vielleicht gibt es ja demnächst mal einen Beitrag über den Sinn der Sinnlosigkeit.

Aus diesen Fragestellungen heraus können wir feststellen, wie wichtig eine qualifizierte Trauerbegleitung sein kann. Solche Fragen kann nicht der Nachbar von nebenan beantworten. Und ein Psychologe oder Psychiater ist auch nicht auf der Stelle greifbar (Termine dauern meist mehrere Monate), sodass ein Trauerbegleiter für viele Menschen eine große Hilfestellung sein kann.

In diesem Beitrag habe ich die Fragen auch nicht beantwortet. Doch dies ist ja auch nicht der Sinn eines Trauerblogs. Mein Trauerblog soll zum Nachdenken anregen und vielleicht doch die eine oder andere Hilfestellung leisten können. Das hoffe ich stark. Danke für Eure Aufmerksamkeit.

Aus Trauer wird Liebe

Nach einem tragischen Verlust ist der Schmerz kaum auszuhalten. Trauernde befinden sich in einer Ausnahmesituation und glauben den Boden unter den Füßen zu verlieren. Doch wie kann die Trauer bewältigt werden? Wie kann aus Trauer Liebe werden? Ich habe mir über viele Jahre, vor allem während meiner Trauerbegleitungen und der  Tätigkeit im Krankenhaus (Psychiatrie), sehr viele Gedanken zur Trauerbewältigung gemacht. Früher hieß es ja immer: „Du musst loslassen!“ Doch dies ist wohl der falsche Weg.

Selbst ein bekannter Psychotherapeut, der hierzu mehrere Bücher geschrieben hat, stellte fest, dass das Loslassen der falsche Weg ist. Auch ich bin der Meinung, dass wir festhalten müssen. Wir dürfen die/den Verstorbene/n nicht loslassen.

Wenn wir uns mit der Trauer und all den schmerzhaften Erfahrungen auseinandersetzen, werden wir feststellen, dass nach einer gewissen Zeit das Festhalten immer schöner wird. Der oder die Verstorbene befindet sich in unserem Herzen und ist somit immer bei uns. Wir lassen nicht los, sondern halten fest.

Irgendwann wird dann aus der schmerzhaften Trauer unbegrenzte Liebe. Glaubt mir, auch wenn es sich zunächst ein wenig unlogisch anhört, werdet Ihr die Liebe, die aus der Trauer entstanden ist, spüren. Und diese Liebe kann und wird auch niemals zerbrechen.

Fazit

Aus Trauer wird Liebe, dies ist eine wunderbare Trauerbewältigungsstrategie, die den Trauernden nur richtig vermittelt werden muss. Ein bisschen Geduld und sehr viel Empathie gehören einfach dazu. Trauernde werden es Euch am Ende danken und die Liebe der/des Verstorbenen spüren und festhalten.

 

Meine Trauer – mein Schmerz – die Erde steht still

Wer bereits einen lieben Menschen verloren hat, kennt das Gefühl des nicht beschreibbaren Schmerzes. Die Erde scheint stehen geblieben zu sein. Alles um einen herum verliert an Bedeutung, die Realität ist verschwommen.

Kurz nach einem Verlust ist der Schmerz besonders groß. Viele Trauernde berichten über ein Gefühl der Gefühllosigkeit. „Ich habe den Boden unter den Füßen verloren“ ist nur eine der vielen Aussagen trauernder Menschen. „Wie soll ich weiterleben?“ Fragen über Fragen drängen sich einem auf, doch Antworten bleiben aus. Trost? Was kann trösten, wenn das Leben stehen geblieben ist? Für Trauernde sind die ersten Wochen und Monate besonders hart. Viele schaffen es nicht alleine und suchen sich einen Trauerbegleiter. Dies kann ein professioneller Anbieter aus dem Internet sein, ein vertrauter Arzt oder der Pastor/Pfarrer aus der Nachbarschaft. Andere wiederum werden krank, richtig krank. Die häufigste psychische Erkrankung in einer Trauerphase ist die Depression. Sollte es sich wirklich um eine depressive Episode handeln, so ist unbedingt ein Facharzt aufzusuchen.

Trauernde benötigen oftmals eine professionelle Hilfe, die unbedingt in Anspruch genommen werden sollte. Trauer ist keine Krankheit. Doch Trauer kann krankmachen. Und das ist das Fatale, wenn keine Hilfe in Anspruch genommen wird. Meine Trauer ist mein Schmerz, doch irgendwann wird sich die Erde wieder drehen.