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Trauer bewältigen durch einen Friedhofsbesuch

Der Besuch auf einem Friedhof kann eine sehr gute Trauerbewältigungsstrategie sein. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass der Gang zum Friedhof Trauer erleichtern kann. Doch immer weniger Menschen gehen zum Friedhof. Besonders nach einer Beisetzung wird dieser Ort kaum noch besucht. Vielleicht einmal im Jahr, wie Totensonntag, stürmen die Menschen zum Friedhof, um ihr schlechtes Gewissen zu erleichtern. Okay, ich gehöre auch nicht zu den Friedhofsgängern. Trotzdem glaube ich, dass es für viele Menschen eine Erleichterung sein kann, den Friedhof aufzusuchen.

Der Friedhof ist ein ganz besonderer Ort. Ein Ort der Stille und Besinnung. Hier kann noch einmal sehr intensiv an die/den Verstorbene/n gedacht werden. Eine Rückblende über das

gemeinsame Leben macht zwar sehr traurige, doch es wird am Ende eine Erleichterung sein. Kinder zum Beispiel haben keine Berührungsängste. Sie leben in ihrer eigenen Welt und nehmen Kontakt zur/zum Verstorbenen auf.

Lasst Euch von Kindern inspirieren und nehmt sie mit auf den Friedhof. Sie werden Euch zeigen, wie mit Trauer gesund umgegangen wird. Der Friedhof ist nämlich nicht so grauenhaft, wie viele denken. Der Friedhof ist eine Gedenkstätte und kann, ich wiederhole mich, eine sehr gute Trauerbewältigungsstrategie sein.

Wer bisher kaum oder fast nie einen Bekannten, Verwandten oder lieben Menschen auf dem Friedhof besucht hat, sollte dies jetzt tun. Ihr werdet am Ende eine Erleichterung spüren. In einer Trauerbegleitung sind solche Strategien sehr hilfreich. Dies habe ich in meinen Begleitungen immer wieder erfahren. Probiert es einfach mal aus und ich würde mich freuen eine Rückmeldung von Euch zu erhalten.

Der letzte Gang – ein schmerzhafter Weg

Vor ein paar Tagen musste auch ich diesen letzten Gang zugunsten einer guten Bekannten gehen. Besonders beschwerlich ist der Weg von der Leichenhalle zum offenen Grab. Wir laufen versteinert hinter dem Sarg her und denken an die vergangene Zeit. An die Zeit als das Leben noch jung und frisch war. Und nun? Ja nun ist diese Zeit vorbei und wir nehmen Abschied.

Wenn die Trauer nicht bereits vorher eingesetzt hat, wie es zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung eines lieben Menschen ist, dann beginnt hier auf dem Weg zum offenen  Grab die Trauer mit Sicherheit.

Der letzte Gang ist nicht nur ein schmerzhafter Weg, er ist auch ein Weg für einen „Neuanfang.“ Ja, Neuanfang. Doch für wen? Für die Hinterbliebenen wird es einen neuen Lebensabschnitt geben. Ob dies als Neuanfang bezeichnet werden kann, sei dahingestellt. Ich würde es jedoch als einen neuen Lebensabschnitt sehen. Hierbei kommt es natürlich auch auf das Verhältnis zum Verstorbenen/zur Verstorbenen an.

In vielen Gesprächen mit Trauernden habe ich festgestellt, dass dieser letzte Gang noch lange sehr präsent bleibt. Tage, Wochen, vielleicht auch ein paar Monate vergehen, bis dieser letzte Gang verarbeitet wurde. Auch das ist Trauerbewältigung. Hinterbliebene sollten sich dieser Trauer stellen und den letzten Weg immer vor Augen haben. Wir dürfen nie vergessen, dass Sterben und Tod unausweichliche Momente sind und wir müssen uns diesen Momenten stellen. Es gibt keinen anderen Weg.

Wer es nicht schafft, sich diesen Themen zu stellen und nach einem Verlust kein Licht mehr am Horizont sieht, der sollte ernsthaft über eine qualifizierte Trauerbegleitung nachdenken.

Aus Trauer wird Liebe

Nach einem tragischen Verlust ist der Schmerz kaum auszuhalten. Trauernde befinden sich in einer Ausnahmesituation und glauben den Boden unter den Füßen zu verlieren. Doch wie kann die Trauer bewältigt werden? Wie kann aus Trauer Liebe werden? Ich habe mir über viele Jahre, vor allem während meiner Trauerbegleitungen und der  Tätigkeit im Krankenhaus (Psychiatrie), sehr viele Gedanken zur Trauerbewältigung gemacht. Früher hieß es ja immer: „Du musst loslassen!“ Doch dies ist wohl der falsche Weg.

Selbst ein bekannter Psychotherapeut, der hierzu mehrere Bücher geschrieben hat, stellte fest, dass das Loslassen der falsche Weg ist. Auch ich bin der Meinung, dass wir festhalten müssen. Wir dürfen die/den Verstorbene/n nicht loslassen.

Wenn wir uns mit der Trauer und all den schmerzhaften Erfahrungen auseinandersetzen, werden wir feststellen, dass nach einer gewissen Zeit das Festhalten immer schöner wird. Der oder die Verstorbene befindet sich in unserem Herzen und ist somit immer bei uns. Wir lassen nicht los, sondern halten fest.

Irgendwann wird dann aus der schmerzhaften Trauer unbegrenzte Liebe. Glaubt mir, auch wenn es sich zunächst ein wenig unlogisch anhört, werdet Ihr die Liebe, die aus der Trauer entstanden ist, spüren. Und diese Liebe kann und wird auch niemals zerbrechen.

Fazit

Aus Trauer wird Liebe, dies ist eine wunderbare Trauerbewältigungsstrategie, die den Trauernden nur richtig vermittelt werden muss. Ein bisschen Geduld und sehr viel Empathie gehören einfach dazu. Trauernde werden es Euch am Ende danken und die Liebe der/des Verstorbenen spüren und festhalten.

 

Meine Trauer – Meine Trauerreise – Mein neues Leben

Kann eine Trauerreise bei der Trauerbewältigung hilfreich sein? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, da Trauer ein individueller Prozess ist und individuell bearbeitet werden muss. Führende Trauerforscher zweifeln teilweise sogar die Trauerbegleitung im herkömmlichen Sinn an (Trauerphasen nach Kübler-Ross und Verena Kast). Allein aus diesem Grund kann festgestellt werden, dass es keine allgemeingültige Regel in der Trauerverarbeitung gibt.

Als qualifizierter Sterbe- und Trauerbegleiter sehe ich jedoch, dass altbewährte Methoden nicht immer „falsch“ oder „schlecht“ sein müssen. Somit kann auch eine Trauerreise eine hilfreiche Methode der Trauerbewältigung sein. Jeder sollte für sich entscheiden, was gut und richtig ist und was ich lassen sollte. Trauernde haben ein sehr gutes Gespür dafür, was ihnen hilft und was nicht.

Deshalb halte ich eine Trauerreise immer noch für eine gute Alternative bei der Trauerbewältigung. Nun stellt sich aber auch die Frage, wie solch eine Trauerreise gefunden werden kann. Zahlreiche Anbieter sind im Internet vorhanden und es ist ratsam, sorgfältig die einzelnen Anbieter zu prüfen. Nachstehende Kriterien sollten bei der Wahl einer Trauerreise berücksichtigt werden:

  • die Trauerreise sollte in kleinen Gruppen stattfinden
  • Qualifizierte Trauerbegleiter begleiten die Reise
  • bei Bedarf werden Einzelgespräche angeboten
  • es sollte ein vielfältiges Angebot vorliegen
  • die Kosten (von 150,00 bis 2.000 € ist alles möglich).

Zu den Kosten ist zu sagen,dass es natürlich auch auf das Reiseziel ankommt. Wer in den sonnigen Süden reisen möchte, der muss natürlich mehr einplanen als bei einer Reise innerhalb Deutschlands.

Wichtig ist noch zu wissen, dass solch eine Reise mit dem Hausarzt abgesprochen werden sollte. Der Beginn der Reise sollte etwa 6 bis 9 Monate nach dem Verlust angetreten werden. Denn solch eine begleitete Trauerreise, mit Programm, kann schon sehr anstrengend sein.

„Ich sitze auf einer Wolke“ – Wie Trauernde ihren Verlust bewältigen können

Trauerbewältigungsstrategien helfen bei der Trauerverarbeitung. Es gibt jedoch unendlich viele Bewältigungsstrategien, die in der Trauerarbeit angewandt werden. Welche Strategie für den Einzelnen die richtige ist, entscheiden Klient (Trauernde/r) und Trauerbegleiter gemeinsam. Durch Einzelgespräche wird herausgefunden, welche Strategie im Einzelfall hilfreich sein kann. Als freiberuflicher Trauerbegleiter habe ich hier die Erfahrung gemacht, dass es unzählig viele Möglichkeiten gibt. Es gibt nicht zehn, zwanzig oder hundert Möglichkeiten, es gibt Tausende von Möglichkeiten. Sie müssen nur entdeckt und gefunden werden.

Eine sehr hilfreiche Trauerbewältigungsstrategie, die oft bei Kindern angewandt wird, ist die Wolke. Der Blick zum Himmel, wir müssen dazu nicht gläubig sein, kann die momentane Wirklichkeit verändern. Der Blick zum Himmel kann helfen Kontakt zum/zur Verstorbenen aufzunehmen. Der Blick zum Himmel kann wahre Wunder bewirken. Für einen Moment verlassen wir die Realität, nehmen durch den Blick zum Himmel Kontakt zur/m Verstorbenen auf und erfahren eine tiefe innere Ruhe.

Wir stellen uns vor, unser geliebter Mensch, der verstorben ist, sitzt auf einer Wolke und schaut uns zu. Wir müssen ganz tief an ihn denken. Wenn wir ein paar Mal diese „Wolkenreise“ durchgeführt haben, werden wir feststellen, dass die Trauer ein wenig leichter zu ertragen ist. Jeder sollte hier mal einen Selbstversuch starten. Ihr werdet ein unendliches Glücksgefühl erleben.